Wissenswertes
Fachbeiträge
- Details
- Zugriffe: 2
Digitaler Zwilling in der überbetrieblichen Ausbildung Malente
16.10.2026 · Hans-Peter Wagner
Das Wichtigste in Kürze
Die überbetriebliche Ausbildung am Lehr- und Versuchszentrum für Milchwirtschaft (LVZM) Bad Malente wird in absehbarer Zeit einen digitalen Zwilling einführen. Als erste Anlagen der Lehrmolkerei werden der Milcherhitzer und der Milchseparator digital abgebildet.
Vorgestellt wurde das Vorhaben auf der Abschlussveranstaltung des EU-Projekts CoVE am 14. und 15. Oktober 2026 in Bad Malente. Gezeigt wurde dort eine Simulation in der Siemens-Software SIMIT. Der digitale Zwilling ist eine sinnvolle Ergänzung zur Arbeit an der echten Anlage, aber kein Ersatz.
Das CoVE-Projekt
CoVE steht für „Centres of Vocational Excellence“, also Zentren für berufliche Exzellenz. Es ist eine Initiative der EU im Programm Erasmus+ (Leitaktion 2, „Partnerships for Excellence“). Ziel ist eine stärkere, praxisnahe Berufsausbildung, in der Schulen, Betriebe und Hochschulen eng zusammenarbeiten.
|
Merkmal |
Angabe |
|---|---|
|
Offizieller Name |
European Excellence in Dairy Learning |
|
Laufzeit |
Mai 2022 bis Ende April 2026 |
|
Europäischer Koordinator |
AEDIL (Association of European Dairy Industry Learning) |
|
Beteiligte Länder |
9: Deutschland, Dänemark, Niederlande, Frankreich, Serbien, Polen, Irland, Türkei, Rumänien |
|
Deutscher Teil |
„Northern German Center of Vocational Excellence“ |
|
Koordinator Deutschland |
Zentralverband Deutscher Milchwirtschaftler (ZDM) |
|
Weitere deutsche Partner (laut Einladung) |
DMA, Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Siemens, DMK Group, Hochschule Hannover |
|
Schwerpunkt |
Digitale Prozesse und neue Lernmethoden |
Die Abschlussveranstaltung in Bad Malente
Am 14. und 15. Oktober 2026 trafen sich die deutschen Projektpartner im LVZM Bad Malente zur Abschlussveranstaltung. Ziel war es, gemeinsam Bilanz zu ziehen und zu besprechen, welche Ansätze weitergeführt werden können. Am 15. Oktober stand der digitale Zwilling im praktischen Einsatz in der überbetrieblichen Ausbildung in Malente auf dem Programm.
Onlinelernen: der Dairy Learning Hub und Webalim
Das europäische Projekt hat mehrere digitale Lernangebote hervorgebracht, die die neun nationalen Zentren miteinander verbinden:
- Dairy Learning Hub (dairylearninghub.com): gemeinsame Lernplattform unter Leitung der University College Cork (Irland), mit den Bereichen „About“, „Academy“, „DairyIDEAS“ und einem Mitgliederbereich
- Online-Kurse für die milchwirtschaftliche Ausbildung
- Virtueller Molkereibetrieb
Außerdem stellte Cyrielle Fanget, Projektleiterin des französischen CoVE bei ANFOPEIL, in einem Vortrag Webalim vor. Das ist die Online-Lernplattform der französischen Molkereifachschulen (ENIL), deren Weiterbildungsorganisation ANFOPEIL ist. Webalim ist älter als das CoVE-Projekt.
Die Plattform bietet Module zu Milch- und Käsetechnologie sowie Sensorik, mit Arbeitsblättern, Übungen, Quizfragen und einem Fachwörterbuch. Genutzt wird sie zur Weiterbildung von Beschäftigten und im Unterricht, vor Ort und aus der Ferne. Eine Demo steht auf webalim.fr bereit. (Benutzername: Demo Passwort: Siteweb).
Was ist ein digitaler Zwilling?
Ein digitaler Zwilling ist ein virtuelles Abbild einer echten Anlage, am Bildschirm oder in einer Brille. Auszubildende können damit Abläufe gefahrlos und beliebig oft üben, ohne Milch zu verbrauchen und ohne die echte Anlage zu blockieren.
In der beruflichen Bildung gibt es bereits Beispiele, etwa die Projekte „Augmented EDUCATION“ und „Vernetzte Zukunftslabore“ oder Datenbrillen an CNC-Maschinen. Mit Daten- oder VR-Brillen lässt sich eine Anlage dreidimensional erleben. Ob und wie solche Brillen in Malente eingesetzt werden, ist noch offen.
Der digitale Zwilling am LVZM: der Milcherhitzer und der Milchseparator
Als erste Anlagen sollen der Milcherhitzer und der Milchseparator der Lehrmolkerei digital abgebildet werden. Auf der Veranstaltung wurde dazu eine Simulation in der Siemens-Software SIMIT gezeigt (Projektname „Milcherhitzer_LVZM_SIMIT“). Zu sehen waren unter anderem:
- die Teilbilder „Koppelpaneele“, „Milchanlieferung“, „Milcherhitzer“ und „Tanklager“
- der Milcherhitzer mit vier Abteilungen: Kühler, WA 1–2, Erhitzer und als Rohrschlange der Heißhalter
- Pumpen, Ventilgruppen und Behälter mit Füllstandsanzeige
- eine Anzeige „Differenzdrücke“
- ein Milchseparator mit Leistungsanzeige
Der Milcherhitzer eignet sich gut als Einstieg. Denkbar ist, damit Temperaturverlauf, Wärmerückgewinnung (Regeneration) und Heißhaltung zu zeigen. Auch Störungen wie Temperaturabweichung, Leckage oder Belagbildung lassen sich gefahrlos durchspielen, bevor die Auszubildenden an die echte Anlage gehen.
Vor- und Nachteile
Der digitale Zwilling bereitet auf die Praxis vor, ersetzt sie aber nicht. Gerade in der Milchwirtschaft lernt man viel mit den Sinnen.
|
Vorteile |
Nachteile |
|---|---|
|
Störungen und Fehler gefahrlos üben |
Hohe Anschaffungskosten |
|
Beliebig oft wiederholbar, kein Milchverbrauch |
Laufende Pflege, sobald sich die echte Anlage ändert |
|
Echte Anlage wird nicht blockiert |
Geruch, Geschmack, Konsistenz und Temperatur nicht erlebbar |
|
Mehrere Auszubildende gleichzeitig, auch von anderen Orten |
Schwindel oder Unwohlsein bei VR-Brillen möglich |
|
Lernfortschritt messbar |
Technische Einarbeitung für Ausbilder und Auszubildende nötig |
|
Motivierend für junge Auszubildende |
Abhängigkeit von Software-Anbieter und IT-Technik |
Partner Hochschule Hannover
Die Hochschule Hannover ist Partner im deutschen CoVE-Konsortium. Ihre Fakultät II (Maschinenbau und Bioverfahrenstechnik) bildet in Hannover-Ahlem, Heisterbergallee, milchwirtschaftliche Fachkräfte aus:
- Bachelor „Milchwirtschaftliche Lebensmitteltechnologie“ (B.Eng.), nach Angaben der Stadt Hannover in Deutschland einzigartig
- Master „Milch- und Verpackungstechnik“ (M.Eng., drei Semester)
- Labor „Digital Factory and Product Development“
Im CoVE-Projekt hat die Hochschule Hannover zwei Praxiskurse entwickelt und an der Hochschule durchgeführt: zur Käseherstellung und zur Milchtrocknung. Außerdem haben das LVZM Bad Malente und die Hochschule Hannover Film- und Lehrmaterial zur Schulung von Auszubildenden und Mitarbeitenden in Molkereien erstellt. Vorgestellt wurde dies von Prof. Dr. Anne Nadolny (Hochschule Hannover).
Quellen
- Aarhus University: European Excellence in Dairy Learning
- UCC: Europäisches Exzellenzzentrum Milchwirtschaft
- HS Hannover: Dairy Food Technology (BML)
- Pollen/Chlorofil: Webalim an der ENIL Surgères
- Webalim: Demonstration
- Uludag-Universität: Treffen des Dairy-CoVE-Projekts, Oktober 2024
- Einladung des ZDM zur Abschlussveranstaltung
